Mythos Sodbrennen und Magensäure
Die unterschätzte Wahrheit über Magensäure: Warum weniger oft mehr Probleme macht
Magensäure – ein Begriff, der oft mit unangenehmem Sodbrennen oder Überschuss in Verbindung gebracht wird. Doch was, wenn ein Mangel an Magensäure (Hypochlorhydrie) viel häufiger vorkommt, als du denkst? Und dass dieses Problem nicht nur deine Verdauung durcheinanderbringt, sondern auch deine Gesundheit auf ganz andere Weise beeinträchtigen kann? Der weit verbreitete Mythos, dass Sodbrennen ausschließlich durch zu viel Magensäure entsteht, verdient mehr Aufmerksamkeit
Die Belegzellen stellen zu wenig Magensäure her
Die Belegzellen bilden die Magensäure und den Cofaktor (Intrinsic Factor) für die Aufnahme von Vitamin B12. Die Hauptzellen bilden die Vorstufe von dem Enzym Pepsin hauptsächlich zur Eiweißverdauung. Die Nebenzellen produzieren einen alkalischen Schleim, damit die Magensäure nicht den Magen selbst angreift. Die Schleimhaut des Magens ist für stark sauren Magensaft ausgelegt, aber nicht die Speiseröhre. Die Frage ist, warum hat jemand, der nicht genug Magensäure produziert, die gleichen Symptome von Sodbrennen?
Was passiert, wenn die Magensäure fehlt?
- Verdauung von Proteinen ist unzureichend: Das Enzym Pepsin, aktiviert durch Magensäure, zerlegt die Proteine in kleinere Peptide. Ohne ausreichende Magensäure bleibt die Proteinverdauung unvollständig und führt zu Druckgefühl im Magen, Übelkeit und Aufstoßen. Die unverdauten Proteine (Eiweiß) „faulen“ im Darm und du bekommst Blähungen und Gasbildung. Häufig Symptome nach dem Essen
- Nährstoffaufnehme: Vitamin B12, Mineralstoffe wie Eisen, Calcium und Magnesium benötigen ein saures Milieu für die Aufnahme.
- Schutz vor Infektionen fehlt: Die saure Umgebung im Magen tötet schädliche Bakterien und verhindert Überwucherungen wie SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth).
- Stimulierung der Verdauungsenzyme fehlt: Magensäure regt die Bauchspeicheldrüse zur Freisetzung von Enzymen an, die Kohlenhydrate und Fette weiter verdauen.
- Ein gestörter Bewegungsablauf im Verdauungstrakt – Verlangsamte Magenentleerung, Einschränkung der Transportgeschwindigkeit des Darms durch Fehlbesiedlung, durchgemachte Bauchoperationen oder Verwachsungen, Endometriose, Schilddrüsenerkrankung, Einnahme von starken Schmerzmitteln.
- Der Magensphinkter: der ringförmige Muskel, der Speiseröhre und Magen verbindet, verliert an Spannung
- Stiller Reflux: Verdauungssäfte können über die Speiseröhre hochsteigen und bis in den Rachen gelangen
- Gallensäurerückfluss: Der träge Bewegungsablauf führt dazu, dass Gallensäure aus dem oberen Dünndarm in den Magen zurückfließen.
Symptome eines Magensäuremangels
Die Symptome sind vielfältig und können mit anderen Erkrankungen verwechselt werden:
- häufiges Aufstoßen nach dem Essen
- Verlangen nach säurehaltigen Speisen
- schlechte Verträglichkeit von eiweißreichen Nahrungsmitteln, sie liegen wie ein Stein im Magen
- Ablehnung von Fleischgerichten
- Mundgeruch
- Erschöpfung, Müdigkeit und Energiemangel nach dem Essen
- Hautprobleme wie Rosacea oder Akne im Erwachsenenalter
- chronischer Durchfall oder Verstopfung
- unverdaute Nahrungsreste im Stuhl
- Nährstoffmangel (Vitamin B12 Eisen)
Ursachen oder Auslöser von Magensäuremangel
Ein Mangel an Magensäure kann durch verschiede Faktoren ausgelöst werden. Zu den häufigsten Ursachen zählen:
- Chronische Gastritis Typ A – bei der das Immunsystem unter die Belegzellen des Magens als Feind sieht, angreift und die Produktion von Magensäure verringert.
- Atrophische Gastritis Typ B – verursacht durch eine Infektion mit Helicobacter pylori, der die Magenschleimhaut schädigt.
- Zunehmendes Lebensalter – mit zunehmenden Lebensalter nimmt die Säureproduktion ab, was oft mit einer Schwächung des Schließmuskels zwischen Magen und Speiseröhre einhergeht.
- Basische Ernährung – Eine starke basische Ernährung kann das säure Milieu im Magen beeinträchtigen.
- Stress – chronischer Stress hemmt die Verdauungsfunktionen, das Stresshormon Cortisol reduziert die Aktivität des Verdauungstrakts
- Langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmer (PPI) – Medikamente wie Pantoprazol oder Omeprazol blockieren die Säureproduktion und können bei langfristiger Anwendung zu einem Mangel führen.
- Antazida – Säureblocker, die zur Neutralisierung der Magensäure verwendet werden
Wie du deine Magensäure testen kannst
Es gibt verschiedene Tests, um einen Magensäuremangel festzustellen
Natron- oder Rülpstest
Durchführung des Tests
- 1 Teelöffel Natron in 200 ml Wasser einrühren und auflösen
- morgens nüchtern zügig trinken.
- Zeit stoppen: warte entspannt und bewege dich möglichst wenig. Wenn du innerhalb von 5 Minuten nicht rülpsen musst, könnte dies auf einen Magensäuremangel hindeuten.
- Musst du innerhalb weniger Sekunden explosiv aufstoßen, dann deutet das darauf hin, dass genug Magensäure zur Neutralisierung vorhanden ist.
- Wichtig: Der Test ist wissenschaftlich nicht anerkannt. Das Ergebnis muss immer im Zusammenhang der gesamten Symptome gesehen werden.
Rote-Bete-Test
Der Farbstoff der Roten Bete wird bei ausreichender Magensäure abgebaut. Eine rötliche Verfärbung von Urin oder Stuhl deutet auf einen Mangel hin.
Durchführung des Tests
- Trinke 100 ml frischen Rote-Bete-Saft auf nüchternen Magen.
- Beobachte die Farbe deines Urins oder Stuhls in den nächsten Stunden
Betain HCL-Test
Betain HCL (Betain Hydrochlorid) ist ein Nahrungsergänzungsmittel, das dafür sorgt, dass kurz nach der Einnahme der pH-Wert des Magensaftes sinkt, also der Magen saurer wird.
Durchführung des Tests
- Nimm 1 Kapsel (600 mg) Betain-HCL während einer proteinreichen Mahlzeit ein.
- Du spürst nichts, kein Wärmegefühl und Brennen: erhöhe auf 2 Kapseln vor der nächsten Mahlzeit
- Steigere die Dosis schrittweise, bis ein leichtes Wärmegefühl entsteht. Die optimale Dosierung liegt eine Kapsel darunter.
Achtung: Bei Brennen nach der ersten Kapsel liegt vermutlich kein Säuremangel vor. Wiederhole den Test 2-3 Mal für mehr Sicherheit. Bei Magengeschwür oder einer akuten Magenschleimhautentzündung solltest du keine Kapseln nehmen.
Klinische Möglichkeiten den Säuremangel nachzuweisen
Pentagastrin-Test: Misst den Salzsäuregehalt durch Absaugen von Magensäure vor und nach der Gabe des Hormons Pentagastrin, das die Säureproduktion stimuliert.
Magensaftuntersuchung: Eine Sonde wird in den Magen eingeführt und Magensaft wird abgesaugt. Im Labor wird auf die Zusammensetzung des Magensafts untersucht.
24-Stunden-Impedanz-pH-Metrie: Eine Sonde, die über die Nase zum unteren Teil der Speiseröhre geführt wird, misst über 24 Stunden, ob und wie oft Magensäure in die Speiseröhre zurückfließt und wie lange sie dort bleibt. Gibt nur Aufschluss darüber, ob ein Rückfluss stattfindet.
Säuremessung in der Speiseröhre mittels Bravo-Sonde: Das Bravo-System zeichnet die Säurewerte in der Speiseröhre über 48 Stunden auf. Eine Kapsel von der Größe einer Vitamintablette wird im Rahmen einer Magenspiegelung vorübergehend in der Speiseröhre befestigt. Die Platzierung erfolgt innerhalb weniger Minuten. Die Messwerte werden an ein Aufzeichnungsgerät gesendet. Sie löst sich nach wenigen Tagen und verlässt den Körper auf dem normalen Verdauungsweg.
Gastropanel-Test: (Labor Ganzimmun) Ein Labortest zur Analyse von Blutwerten wie Pesinogen und Gastrin liefert Hinweise auf eine gestörte Magenschleimhaut und möglichen Säuremangel.
Diese Untersuchungsmethoden sind aufwändig und müssen von Fachärzten durchgeführt werden. Sie haben außerdem nicht immer eine ganz klare Aussagekraft.
Hausmittel zur Unterstützung der Magensäureproduktion
Mit einfachen Maßnahmen kannst du deine Verdauung verbessern und die Produktion von Magensäure anregen.
- Bitterstoffe: Kräuter wie Löwenzahn, Wermut, Schafgarbe, Enzian. Bitterstoffe regen die Produktion von Magensäure an, indem sie die Protonenpumpen der Belegzellen aktivieren.
- Cranberry-Saft: Regt die Produktion deiner Magensäure an und stabilisiert den pH-Wert im Magen. Täglich ein Glas ungesüßten Cranberry-Saft trinken
- Bittere Salate als Vorspeise: Chicoree, Endivien, Radicchio, Wildkräuter
- Während dem Essen weniger trinken
- Warme Speisen (vor allem beim Frühstück) bevorzugen
- Langsam Essen und gründlich Kauen entlastet den Magen und fördert eine bessere Zerkleinerung der Nahrung.
- Verdauungsenzyme ersetzen die Enzyme der Bauchspeicheldrüse und helfen bei der Verdauung von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten. Die Einnahme bekämpft nur die Symptome, nicht die Ursachen für einen Magensäuremangel.
- Apfelessig: Einen Esslöffel Apfelessig in wenig Wasser verdünnen und vor den Mahlzeiten trinken Apfelessig liefert Essigsäure, die den pH-Wert im Magen senkt und die Verdauung unterstützt.
Diese Hausmittel sind einfach umzusetzen und können bei regelmäßiger Anwendung helfen, Magensäuremangel zu lindern. Bei anhaltenden Beschwerden sollte jedoch ein ArztIn oder HeilpraktikerIn konsultiert werden.
Wenn Beschwerden wie Sodbrennen, Blähungen oder Nährstoffmängel trotz aller Maßnahmen anhalten oder sich verschlimmern, ist eine ärztliche Abklärung notwendig. Besonders wichtig ist dies bei Symptomen wie: unklare Bauchschmerzen, anhaltendem Durchfall oder Verstopfung.
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